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02 — Sales Consulting

Wie ich in einer Sales-Agentur ein zweites Geschäftsmodell aufgebaut habe

Die BS Sales Akademie bietet Vertrieb als Service an. Mein Auftrag war, ein zweites Standbein aufzubauen: eine Beratung, die Mittelständler befähigt, ihren eigenen Vertrieb zu führen.

ProduktstrategieGo-to-MarketKundenberatung
ROLLE
Produktmanager
Discovery, Pricing, Rollout
ZEITRAUM
16 Monate
Dez 2024 – Mrz 2026
KONTEXT
BS Sales Akademie
50+ MA, Sales-Agentur
Mein Auftrag:

„Lass uns ein eigenes Produkt rausbringen und unser Geschäft breiter aufstellen. Wir haben einzigartige Erfahrung im Aufbau von Sales-Teams und können dieses Wissen bestimmt verkaufen.“

— Geschäftsführer, BS Sales Akademie
AUF EINEN BLICK
Problem
Als Sales-Agentur waren wir abhängig von wenigen Großkunden und verschenkten jahrelang unser wertvollstes Asset: das Know-how zum Aufbau von Vertriebsteams, nach dem wir ständig gefragt wurden.
Ansatz
Das Sales-Know-how der Agentur als eigenständiges Beratungsprodukt entwickelt, positioniert, bepreist und vermarktet.
Ergebnis
Entstanden ist eine eigenständige Firma als Spin-off der Agentur. Die ersten Kunden schreiben messbar mehr Umsatz als vor der Beratung.

6-stelliges Auftrags­volumen in den ersten 12 Monaten

+60% Umsatz­wachstum bei Kunden innerhalb von 6 Monaten

Aus­gründung Scales Consulting AG Spin-off aus dem Beratungsprojekt

01Kontext & Ausgangslage

Kontext & Ausgangslage

Drei Hypothesen, neun Interviews, ein Pivot. Was als internes Experiment begann, wurde zur Grundlage einer neuen Firma.

Die BS Sales Akademie ist eine der größten Sales-as-a-Service-Agenturen der deutschen EdTech-Branche, mit über 50 Mitarbeitenden und einem jährlichen Auftragsvolumen im zweistelligen Millionenbereich für namhafte Kunden aus EdTech, FinTech und B2B-Software.

Das Problem: Als Agentur machten wir Vertrieb für andere, aber waren abhängig von wenigen großen Kunden und besaßen kein Produkt, das zu 100% uns gehörte. Dieses Wissen verschenkten wir, statt es systematisch zu monetarisieren.

RAHMENBEDINGUNGEN
BUDGET
Self-funded
Reinvestition der Einnahmen
TEAM
Alleinverantwortung Produkt
GF als Berater & Sparring · Freelancer bei Bedarf
TIMELINE
6 Monate Pilotphase
Ziel: Bedarf validieren, erste Kunden gewinnen

Meine Hypothesen

H1
Der Markt existiert.
Wir sahen Wettbewerber im Beratungssegment (Baulig, SalesHax, Dirk Kreuter u.a.), und wir wurden selbst immer wieder angefragt.
H2
Unsere Praxis-Expertise ist eine Marktlücke.
Die bestehenden Anbieter kommen meist aus dem Coaching-Bereich. Wir beschäftigen selbst 40+ Vertriebler, haben 200+ eingestellt und 20+ Teams aufgebaut.
H3
Ein skalierbares Format funktioniert.
Erste Idee: Mentoring-Programm mit Videokurs und Gruppen-Calls. Diese Hypothese stellte sich als falsch heraus.

02Vorgehen

Vorgehen — Research & Validation

Drei Schritte bis zum Pivot: Wettbewerbsanalyse, qualitative Interviews, Synthese zum ICP.

Wettbewerbsanalyse

Ich analysierte 7 direkte Wettbewerber über 24 Dimensionen: Produkt, Preis, Zielgruppe, Branding, Marketing-Kanäle, Sales-Prozess, Fulfillment, Transparenz. Die zentrale Erkenntnis: Die meisten Wettbewerber positionierten sich als Premium-Coaches mit Guru-Attitüde und kommunizierten aggressiv. Das stößt viele bodenständige, seriöse Unternehmer ab, genau die, die wir erreichen wollten.

POSITIONIERUNG IM WETTBEWERBSVERGLEICH
Baulig
Auftreten
Guru-Attitüde, arrogant
Format
Gruppen-Kurse, Videokurse
Zielgruppe
Breit — Coaches, DL
Differenzierung
Digitale Skalierung
SalesHax
Auftreten
Luxuriös, exklusiv
Format
Bootcamps, 1:1 Consulting
Zielgruppe
Spitz — Agenturen
Differenzierung
High-End-Netzwerk
BS Sales Akademie
Auftreten
Nahbar, auf Augenhöhe
Format
1:1-Consulting, 6–12 Monate
Zielgruppe
KMU-Mittelstand, 10–50 MA
Differenzierung
Eigene Praxis: 40+ Vertriebler, 200+ eingestellt

Qualitative Interviews

9 strukturierte Tiefeninterviews mit Geschäftsführern, Vertriebsleitern und Heads of Marketing bei Firmen aus unserer potentiellen Zielgruppe.

📋
Research-Design
Eigener Interviewleitfaden mit 8 Themenbereichen
🎙
Dokumentation
Aufgezeichnet, transkribiert, systematisch ausgewertet
🗺
Synthese
Querauswertung auf Miro-Board: Clusterbildung, Pain-Point-Mapping
💰
Kernfragen
Bedarf validieren, Pricing ermitteln, Format testen

↑ ICP Map — Synthese aus 9 Interviews zu einem klaren Kundenprofil (Miro)

03Erkenntnisse

Schlüsselerkenntnisse

Was die Research verändert hat: drei Erkenntnisse, die das Produkt fundamental beeinflusst haben.

01

Individuelle Beratung schlägt Gruppen-Formate

Fast alle Befragten bewerteten individuelle 1:1-Beratung mit 5/5. Gruppen-Calls und Netzwerk-Events landeten bei 2 bis 3/5. Die Zielgruppe will keinen Videokurs, sondern einen Partner, der ihre spezifische Situation versteht.

Hypothese 3 verworfen. Statt skalierbarem Mentoring-Programm entschieden wir uns für individuelles Consulting.
02

Die Zahlungsbereitschaft war deutlich höher als erwartet

Wir hatten mit 5.000 bis 10.000 € Einmalpreis kalkuliert. In den Interviews nannten Befragte Budgets von 3.000 bis 10.000 € pro Monat, bei mehrmonatiger Begleitung. Das war ein Augenöffner.

Pivot von Einmalpreis auf ein monatliches vierstelliges Retainer-Modell über 6 bis 12 Monate.
03

Ähnliche Probleme, individuelle Lösungen

Immer wieder die gleichen Muster: Gründer steckt im Vertrieb fest, keine klaren Prozesse, kein funktionierendes Onboarding, kein Controlling. Aber jedes Unternehmen hat einen anderen Engpass.

Entwicklung des „Max Impact Framework“: wir starten dort, wo der größte Hebel liegt.

↑ Das „Max Impact Framework“ — eigene Methodik für individuelle Beratung

04Entscheidungen

Strategische Entscheidungen

Aus Wettbewerbsanalyse und Interviews leitete ich fünf Entscheidungen ab, die das Produkt positioniert haben.

01
Zielgruppe: KMU statt Agenturen.
Während Wettbewerber primär Agenturen und Online-Unternehmer adressieren, positionierten wir uns für den breiteren Mittelstand: Unternehmen mit 10 bis 50 Mitarbeitenden, 500k bis 15 Mio. € Umsatz.
02
Consulting statt Mentoring.
Mentoring klingt nach Coaching, wir machen Beratung. Es geht um Infrastruktur, Organisation, Führung und Vergütungslogik.
03
Authentisch statt Guru.
Bewusste Anti-Positionierung: nahbar, transparent, auf Augenhöhe. „Wir erarbeiten gemeinsam die beste Lösung.“
04
Retainer statt Einmalzahlung.
6 bis 12 Monate Begleitung mit monatlichem Retainer. Ermöglicht echte Veränderung, sichert wiederkehrenden Umsatz.
05
Hands-on statt PowerPoint.
Vor-Ort-Workshops, gemeinsames Erarbeiten, konkrete Playbooks. Nach jedem Call eine E-Mail mit Kernpunkten und Aufgaben.

↑ Business Model Canvas — Zusammenspiel aus Zielgruppe, Wertversprechen, Kanälen und Umsatzmodell

05Go-to-Market

Go-to-Market

Parallel zur Produktentscheidung erstellte ich das gesamte Go-to-Market-Material: Landingpage (Design & Copywriting in Figma), einen strukturierten 2-Step-Sales-Prozess mit HubSpot-Pipeline und Testimonial-Videos mit professionellem Videografen. Daneben entstanden Sales-Material, Ad-Konzepte und ein Marketing-Funnel mit Lead-Magneten und E-Mail-Sequenzen.

↑ Landingpage Header — Design & Copywriting in Figma

Was funktioniert hat
Netzwerk und Zielgruppenbesitzer als stärkste Neukunden-Kanäle
Authentisches Auftreten zog genau die bodenständigen Unternehmer an, die wir wollten
Was nicht funktioniert hat
Marketing-Messe: komplett falsche Zielgruppe
Zu lange im Bootstrap-Modus statt früher Experten für Funnel und Ads einzukaufen

06Ergebnisse

Ergebnisse

0 → 1 Dienstleistung entwickelt Business Case, GTM, Fulfillment

PMF Product-Market Fit gefunden Angebot, Pricing

Spin-off Scales Consulting Vom Projekt zur eigenen Firma

KUNDENBEISPIEL
Grethe-Schellmann Immobilienvermarktungs GmbH
Überregionaler Immobilienmakler · 15 Mitarbeiter · 7-stelliger Jahresumsatz
HERAUSFORDERUNG

Geschäftsführer und Vertriebsleitung waren für über 50% der Umsätze verantwortlich. Es fehlte Zeit, sich auf Geschäftsentwicklung und Vertriebsaufbau zu konzentrieren, die echten Wachstumshebel.

LÖSUNG

Neuordnung der Rollen in GF und Vertriebsleitung, Aufbau eines führungsorientierten Vertriebsleitungsmodells, Einführung von Leistungstransparenz und systematischem Sales-Training.

+60% Umsatzwachstum
in 6 Monaten

Expansion Pläne können
umgesetzt werden

↑ Motivation durch neue Trainings
& Vergütungsmodell

„Die Zusammenarbeit war durchgängig wertschätzend, lösungsorientiert und auf Augenhöhe. Die E-Mail-Zusammenfassungen nach jedem Call waren extrem wertvoll. Jeder wusste, was besprochen wurde und was bis zum nächsten Mal umgesetzt sein sollte.“

— Grethe-Schellmann Immobilien, Review-Gespräch Januar 2026

Strategischer Impact

Der Erfolg validierte das Geschäftsmodell so überzeugend, dass daraus die Gründung von Scales Consulting als eigenständige Gesellschaft hervorging, mit neuen Gesellschaftern, die Zugang zu Private Equity und dem gehobenen KMU-Markt mitbringen.

07Learnings

Learnings & Reflexion

Was ich heute anders machen würde, und was ich mitnehme.

Was ich anders machen würde
01
Früher externe Experten holen.
Besonders für Funnel-Strategie und Ads. Wir haben zu lange versucht, alles selbst zu machen. Lehrreich, aber nicht effizient.
02
Schneller in Verticals gehen.
„Vertriebsberatung für SaaS-Firmen“ konvertiert besser als „Vertriebsberatung für alle.“
03
Beratungsprozess früher standardisieren.
Fragenkatalog, Workshop-Agenda, Nachbereitungs-Mails: hätte ich schneller in wiederholbare Workflows überführen können.
Was ich mitnehme
User Research ist kein Nice-to-have. Die Interviews haben drei von drei Annahmen korrigiert und damit den Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem erfolgreichen Produkt gemacht.
Positionierung heißt nicht besser sein, sondern anders sein. Die Anti-Positionierung zur Wettbewerbslandschaft war der stärkste Differenzierungshebel.
Die besten Insights kommen aus der eigenen Beratungspraxis. Kein Business Model Canvas ersetzt das Gespräch mit echten Kunden.