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03 — Thyper App

Mit einer Produktvision 17 Menschen überzeugt, eigenes Geld zu investieren

Eine Software-Idee für Schreibstilverbesserung als Integration in WhatsApp, Gmail & Co. Entwickelt, gepitcht und finanziert, Jahre bevor KI-Schreibassistenten existierten.

ProduktvisionExit-StrategiePitching
ROLLE
Gründer
Idee, Strategie, Fundraising, Branding
ZEITRAUM
2019–2021
Vor ChatGPT, vor der KI-Welle
KONTEXT
Pre-Seed, Berufsnetzwerk
Kein Inkubator, kein VC-Zugang
HYPOTHESE

„Was wäre, wenn Schreibstilverbesserung so einfach wäre wie ein einzelner Button-Klick?“

Thyper Pitch-Video: Integration in Messenger-Apps

AUF EINEN BLICK
Problem
Damals fiel mir auf Social Media eines immer stärker auf: Groß- und Kleinschreibung wurde missachtet, Kommasetzung ignoriert, das und dass falsch gesetzt. Ein guter Schreibstil schien für viele keine Priorität mehr zu haben.
Ansatz
Keine eigene App, sondern ein Button direkt in der Smartphone-Tastatur, der Nachrichten in WhatsApp und Co. mit einem Klick stilistisch aufwertet. Geschäftsmodell: Exit an einen Plattformbetreiber wie Apple, Google oder Meta, nicht der eigene Markteintritt.
Ergebnis
Aus der Beobachtung wurde ein greifbarer Business Case: eingetragene Marke, ausgearbeitetes Pitch Deck, eine Vision in Animationsvideos verdichtet.

25.000 € Fundraising Rein auf Basis einer Vision und eines Vertrags

17 Privat­investoren Geschäfts­kontakte, die eigenes Geld investiert haben

DPMA Eingetragene Marke Thyper als Wortmarke beim DPMA (2019)

01Ursprung

Wie alles anfing

Mit 21 wurde mir klar: Die Selbstständigkeit im Social Media Marketing begeisterte mich nicht mehr. Mein Wunsch war, etwas zu finden, das mir wirklich Spaß macht und gleichzeitig ein echtes Problem adressiert.

Über ein Netzwerktreffen entstand der Kontakt zu einem erfahrenen Unternehmer. Zusammen organisierten wir einen professionell gefilmten Workshop-Tag, an dem er mich durch gezielte Fragen zu einem Thema führte, das ich vorgab: Literatur. Die Kamera lief, ein Videograf hielt den Entstehungsprozess fest.

Was an diesem Tag herauskam, war eine Beobachtung, die sich schon länger angestaut hatte: Auf Social Media wurde Groß- und Kleinschreibung missachtet, Kommasetzung ignoriert, „das“ und „dass“ falsch gesetzt. Ein guter Schreibstil schien für viele keine Priorität mehr zu haben. Nicht egal, nur zu aufwendig.

Videodreh Ideenfindung — Gespräch
Videodreh Ideenfindung — Interview draußen

Professionell gefilmter Workshop-Tag: Vom Thema Literatur zur Geschäftsidee

02Wettbewerb

Die Wettbewerbsanalyse, die das Geschäftsmodell prägte.

KERNHYPOTHESE

Menschen würden Schreibstilaufwertungen häufig nutzen, wenn der Zugang ohne jede Hürde funktioniert: nativ integriert, ein Klick, kein App-Wechsel.

Erwartete Nutzung: Mindestens jede vierte Nachricht wird korrigiert und aufgewertet, wenn der Button direkt in der Tastatur sitzt.

Um den Markt wirklich zu verstehen, habe ich die direkten Wettbewerber selbst ausprobiert. Grammarly, damals der Platzhirsch für Schreibassistenz im englischsprachigen Raum, heruntergeladen. Die Duden-Rechtschreibprüfung getestet. Alles angeschaut, was es gab. Und eines zeichnete sich immer deutlicher ab:

Alle Tools funktionierten auf technischer Ebene. Doch keines löste das Problem dort nativ, wo es entstand.

Browser-Extensions installieren, Texte in ein separates Fenster kopieren, Zugriffsfreigaben erteilen. Aus dem Vertrieb kannte ich den Effekt längst: Jede Einstiegshürde schmälert die Marktdurchdringung erheblich.

STRATEGISCHE ENTSCHEIDUNG

Thyper sollte keine eigene App werden. Keine separate Plattform. Kein eigenes Frontend. Stattdessen eine Funktion, die sich unsichtbar in bestehende Ökosysteme integriert. Ein Button auf der Smartphone-Tastatur, der nach einem Update einfach da ist, so als wäre er schon immer da gewesen.

Geschäftsmodell: Die Software entwickeln, bis sie funktional überlegen ist, und dann an Apple, Google, Meta oder Microsoft verkaufen. Kein eigener Markteintritt, sondern ein Exit. Die Zielgruppe war nicht der Endnutzer, sondern der Plattformbetreiber.

USP-VERGLEICH
Autokorrektur
Korrigiert Rechtschreibfehler
Verbessert Satzbau & Formulierungen
Unterschiedliche Schreibniveaus
Ohne Installation nutzbar
Voller Funktionsumfang kostenfrei
1 Klick für Korrektur & Aufwertung
Grammarly
Korrigiert Rechtschreibfehler
Verbessert Satzbau & FormulierungenPremium
Unterschiedliche Schreibniveaus
Ohne Installation nutzbar
Voller Funktionsumfang kostenfrei
1 Klick für Korrektur & Aufwertung
Thyper
Korrigiert Rechtschreibfehler
Verbessert Satzbau & Formulierungen
Unterschiedliche Schreibniveaus
Ohne Installation nutzbar
Voller Funktionsumfang kostenfrei
1 Klick für Korrektur & Aufwertung

03Umsetzung

Was daraus entstand

Zwei Jahre Arbeit neben einem laufenden Berufsalltag. In dieser Zeit entstand, was aus einer Idee einen verhandlungsfähigen Business Case macht: Marke, Produktvision, Pitch Deck und 17 Menschen, die daran glaubten.

Marke & Branding

Der Name „Thyper“ wurde beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen (Marke Nr. 30 2019 209 083). Das Logo: ein Pfeil nach oben im Kreis.

Thyper Logo
CLAIM

„Just push Thyper.“

Push to elevate your writing.

Die Vision greifbar machen: Animationsvideos

Ein Videoeditor wurde beauftragt, Animationsvideos zu erstellen, die Thyper live integriert in WhatsApp zeigen. Diese Videos wurden zum stärksten Pitch-Element. In 30 Sekunden wurde eine abstrakte Technologie-Vision für jeden sofort verständlich.

01
02
03

Animations-Videos und Mockup: Die Produktvision in Sekunden erlebbar

Algorithmus-Logik

Ohne technischen Mitgründer habe ich mich eigenständig in Sprachwissenschaft und Wortcodierung eingearbeitet. Drei Iterationen.

v1.0 — Zahlencodesv2.0 — Morphemev3.0 — Binärcode

Technisch ausreichend für einen funktionierenden Algorithmus? Nein, das war von Anfang an klar. Aber es schuf eine Grundlage und zeigte potenziellen Partnern: Hier hat sich jemand ernsthaft mit dem Problem beschäftigt.

Datenbank-Strategie & Proof of Concept

Als greifbaren Proof of Concept entstanden 121 Alltagssätze, jeweils in drei Schreibniveaus umformuliert:

UMGANGSSPRACHE

Hey, hast du das vergessen?

GEHOBENER AUSDRUCK

Könntest du mir kurz den Stand dazu schicken?

FORMAL

Ich wäre dir dankbar, wenn du mir ein kurzes Status-Update zukommen lassen könntest.

Ein winziger Datensatz, aber er machte das Konzept der Schreibniveau-Aufwertung in Sekunden greifbar.

Pitch Deck & Business Case

Alles mündete in ein vollständiges Pitch Deck: Problem, Lösung, Marktpotenzial (429 Milliarden tägliche Nachrichten weltweit), Wettbewerbsanalyse, Geschäftsmodell und durchgerechnete Exit-Szenarien je nach Käufer.

1 / 20

04Fundraising

25.000 € einsammeln, nur mit einer Idee

Das eigentliche Ziel waren 50.000 bis 100.000 €, um Angel- und Pre-Seed-Investoren ein klares Signal zu senden, dass diese Menschen an das Konzept und mich glaubten. Das Modell: je 1.000 € ein fester Beteiligungssatz an der zukünftigen Firma, notariell im Beteiligungsvertrag festgehalten, inklusive Rückzahlungsklausel, falls eine Firmengründung ausbleibt.

Der Prozess dahinter war im Prinzip Vertrieb, nur dass das Produkt eine greifbar gemachte Idee war: Kontakte ansprechen, Gespräche führen, Pitch Deck teilen, nachtelefonieren, Vertrag besprechen, Fragen beantworten.

Es gab deutlich mehr Absagen als Zusagen. Aber Kaltakquise war kein Neuland, und die Erfahrung daraus war klar: Fleiß, Dranbleiben und ein überzeugender Business Case führen zum Ziel, auch wenn es dauert.

25.000 €

von 17 Investoren

Die meisten davon Geschäftskontakte, einige wenige Freunde und Familie. Jeder Einzelne gab eigenes Geld auf Basis des Business Case, der Vision und des Beteiligungsvertrags.

05Abschluss

Warum es endete

Nach rund zwei Jahren fiel die bewusste Entscheidung, das Projekt nicht weiter zu verfolgen:

01
Kein technischer Co-Founder.
Bei einem Projekt, dessen gesamter Firmenwert in der Software liegt, fehlte die entscheidende Kompetenz. Ohne jemanden, der die Technologie auf diesem Niveau bauen konnte, war kein nächster Schritt möglich.
02
Kein weiteres Kapital.
Die 25.000 € reichten nicht für die Entwicklung und professionelle Investoren wollten verständlicherweise mehr Substanz sehen.
03
Kein Datenbankzugang.
Ohne qualitativ hochwertige Sprachdaten war der Algorithmus nicht trainierbar.

Da keine Firma gegründet wurde, griff die Rückzahlungsklausel: sämtliches eingesammelte Kapital ging an die Investoren zurück.

06Reflexion

Was ich heute anders machen würde

01
Erst das Team, dann das Geld.
Bei einem Software-Produkt braucht es von Tag eins einen technischen Co-Founder. Zusammen entsteht ein Kompetenz-Duo, das auch Investoren ernst nehmen.
02
Öffentliche Förderungen nutzen.
EXIST-Gründerstipendium, Landesförderungen, Innovationsprogramme. Dieses Kapital hätte die ersten Entwicklungsschritte finanziert, ohne das private Netzwerk anzapfen zu müssen.
03
Stärker validieren vor dem Fundraising.
Die Hypothese war stark, aber nicht ausreichend validiert. Qualitative Nutzerinterviews hätten belegen können, ob Menschen Schreibstilverbesserung tatsächlich nutzen würden.
04
Im Startup-Ökosystem netzwerken.
Beziehungen auf Demo Days, Pitch-Events und in Gründerzentren aufbauen, anstatt VCs aus der Ferne zu kontaktieren.

07Learnings

Was mir dieses Projekt zeigte

Thyper wurde kein erfolgreiches Produkt. Es gibt keinen Umsatz, keinen Exit, keinen Prototyp. Aber es lehrte mich, was man nur in der Praxis lernt:

01
Vision & Storytelling.
Eine abstrakte Technologie-Idee so greifbar kommunizieren, dass 17 Menschen bereit sind, eigenes Geld zu investieren. Ohne funktionierendes Produkt, ohne Team, ohne Track Record.
02
Strategisches Denken.
Nicht die naheliegende „eigene App“ bauen wollen, sondern nach Wettbewerbsanalyse eine Plattform-Integrationsstrategie mit Exit-Modell entwickeln.
03
Stakeholder-Überzeugung.
Vom Mikroinvestor bis zu VCs: Menschen für eine Vision gewinnen, die noch nichts Greifbares vorzuweisen hat.
04
Unternehmerisches Handeln.
Marke anmelden, Beteiligungsverträge erstellen, Fundraising betreiben, Business Cases modellieren, Videoproduktionen beauftragen, Algorithmus-Logik erarbeiten.
05
Ehrliche Reflexion.
Erkennen, wann ein Projekt nicht weitergeht. Sauber abwickeln. Und die Learnings in den nächsten Karriereschritt mitnehmen.