Mit einer Produktvision 17 Menschen überzeugt, eigenes Geld zu investieren
Eine Software-Idee für Schreibstilverbesserung als Integration in WhatsApp, Gmail & Co. Entwickelt, gepitcht und finanziert, Jahre bevor KI-Schreibassistenten existierten.
„Was wäre, wenn Schreibstilverbesserung so einfach wäre wie ein einzelner Button-Klick?“
Thyper Pitch-Video: Integration in Messenger-Apps
- Problem
- Damals fiel mir auf Social Media eines immer stärker auf: Groß- und Kleinschreibung wurde missachtet, Kommasetzung ignoriert, das und dass falsch gesetzt. Ein guter Schreibstil schien für viele keine Priorität mehr zu haben.
- Ansatz
- Keine eigene App, sondern ein Button direkt in der Smartphone-Tastatur, der Nachrichten in WhatsApp und Co. mit einem Klick stilistisch aufwertet. Geschäftsmodell: Exit an einen Plattformbetreiber wie Apple, Google oder Meta, nicht der eigene Markteintritt.
- Ergebnis
- Aus der Beobachtung wurde ein greifbarer Business Case: eingetragene Marke, ausgearbeitetes Pitch Deck, eine Vision in Animationsvideos verdichtet.
25.000 € Fundraising Rein auf Basis einer Vision und eines Vertrags
17 Privatinvestoren Geschäftskontakte, die eigenes Geld investiert haben
DPMA Eingetragene Marke Thyper als Wortmarke beim DPMA (2019)
01Ursprung
Wie alles anfing
Mit 21 wurde mir klar: Die Selbstständigkeit im Social Media Marketing begeisterte mich nicht mehr. Mein Wunsch war, etwas zu finden, das mir wirklich Spaß macht und gleichzeitig ein echtes Problem adressiert.
Über ein Netzwerktreffen entstand der Kontakt zu einem erfahrenen Unternehmer. Zusammen organisierten wir einen professionell gefilmten Workshop-Tag, an dem er mich durch gezielte Fragen zu einem Thema führte, das ich vorgab: Literatur. Die Kamera lief, ein Videograf hielt den Entstehungsprozess fest.
Was an diesem Tag herauskam, war eine Beobachtung, die sich schon länger angestaut hatte: Auf Social Media wurde Groß- und Kleinschreibung missachtet, Kommasetzung ignoriert, „das“ und „dass“ falsch gesetzt. Ein guter Schreibstil schien für viele keine Priorität mehr zu haben. Nicht egal, nur zu aufwendig.
Professionell gefilmter Workshop-Tag: Vom Thema Literatur zur Geschäftsidee
02Wettbewerb
Die Wettbewerbsanalyse, die das Geschäftsmodell prägte.
Menschen würden Schreibstilaufwertungen häufig nutzen, wenn der Zugang ohne jede Hürde funktioniert: nativ integriert, ein Klick, kein App-Wechsel.
Erwartete Nutzung: Mindestens jede vierte Nachricht wird korrigiert und aufgewertet, wenn der Button direkt in der Tastatur sitzt.
Um den Markt wirklich zu verstehen, habe ich die direkten Wettbewerber selbst ausprobiert. Grammarly, damals der Platzhirsch für Schreibassistenz im englischsprachigen Raum, heruntergeladen. Die Duden-Rechtschreibprüfung getestet. Alles angeschaut, was es gab. Und eines zeichnete sich immer deutlicher ab:
Alle Tools funktionierten auf technischer Ebene. Doch keines löste das Problem dort nativ, wo es entstand.
Browser-Extensions installieren, Texte in ein separates Fenster kopieren, Zugriffsfreigaben erteilen. Aus dem Vertrieb kannte ich den Effekt längst: Jede Einstiegshürde schmälert die Marktdurchdringung erheblich.
Thyper sollte keine eigene App werden. Keine separate Plattform. Kein eigenes Frontend. Stattdessen eine Funktion, die sich unsichtbar in bestehende Ökosysteme integriert. Ein Button auf der Smartphone-Tastatur, der nach einem Update einfach da ist, so als wäre er schon immer da gewesen.
Geschäftsmodell: Die Software entwickeln, bis sie funktional überlegen ist, und dann an Apple, Google, Meta oder Microsoft verkaufen. Kein eigener Markteintritt, sondern ein Exit. Die Zielgruppe war nicht der Endnutzer, sondern der Plattformbetreiber.
03Umsetzung
Was daraus entstand
Zwei Jahre Arbeit neben einem laufenden Berufsalltag. In dieser Zeit entstand, was aus einer Idee einen verhandlungsfähigen Business Case macht: Marke, Produktvision, Pitch Deck und 17 Menschen, die daran glaubten.
Der Name „Thyper“ wurde beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen (Marke Nr. 30 2019 209 083). Das Logo: ein Pfeil nach oben im Kreis.

„Just push Thyper.“
Push to elevate your writing.
Ein Videoeditor wurde beauftragt, Animationsvideos zu erstellen, die Thyper live integriert in WhatsApp zeigen. Diese Videos wurden zum stärksten Pitch-Element. In 30 Sekunden wurde eine abstrakte Technologie-Vision für jeden sofort verständlich.
Animations-Videos und Mockup: Die Produktvision in Sekunden erlebbar
Ohne technischen Mitgründer habe ich mich eigenständig in Sprachwissenschaft und Wortcodierung eingearbeitet. Drei Iterationen.
Technisch ausreichend für einen funktionierenden Algorithmus? Nein, das war von Anfang an klar. Aber es schuf eine Grundlage und zeigte potenziellen Partnern: Hier hat sich jemand ernsthaft mit dem Problem beschäftigt.
Als greifbaren Proof of Concept entstanden 121 Alltagssätze, jeweils in drei Schreibniveaus umformuliert:
„Hey, hast du das vergessen?“
„Könntest du mir kurz den Stand dazu schicken?“
„Ich wäre dir dankbar, wenn du mir ein kurzes Status-Update zukommen lassen könntest.“
Ein winziger Datensatz, aber er machte das Konzept der Schreibniveau-Aufwertung in Sekunden greifbar.
Alles mündete in ein vollständiges Pitch Deck: Problem, Lösung, Marktpotenzial (429 Milliarden tägliche Nachrichten weltweit), Wettbewerbsanalyse, Geschäftsmodell und durchgerechnete Exit-Szenarien je nach Käufer.
04Fundraising
25.000 € einsammeln, nur mit einer Idee
Das eigentliche Ziel waren 50.000 bis 100.000 €, um Angel- und Pre-Seed-Investoren ein klares Signal zu senden, dass diese Menschen an das Konzept und mich glaubten. Das Modell: je 1.000 € ein fester Beteiligungssatz an der zukünftigen Firma, notariell im Beteiligungsvertrag festgehalten, inklusive Rückzahlungsklausel, falls eine Firmengründung ausbleibt.
Der Prozess dahinter war im Prinzip Vertrieb, nur dass das Produkt eine greifbar gemachte Idee war: Kontakte ansprechen, Gespräche führen, Pitch Deck teilen, nachtelefonieren, Vertrag besprechen, Fragen beantworten.
Es gab deutlich mehr Absagen als Zusagen. Aber Kaltakquise war kein Neuland, und die Erfahrung daraus war klar: Fleiß, Dranbleiben und ein überzeugender Business Case führen zum Ziel, auch wenn es dauert.
von 17 Investoren
Die meisten davon Geschäftskontakte, einige wenige Freunde und Familie. Jeder Einzelne gab eigenes Geld auf Basis des Business Case, der Vision und des Beteiligungsvertrags.
05Abschluss
Warum es endete
Nach rund zwei Jahren fiel die bewusste Entscheidung, das Projekt nicht weiter zu verfolgen:
Da keine Firma gegründet wurde, griff die Rückzahlungsklausel: sämtliches eingesammelte Kapital ging an die Investoren zurück.
06Reflexion
Was ich heute anders machen würde
07Learnings
Was mir dieses Projekt zeigte
Thyper wurde kein erfolgreiches Produkt. Es gibt keinen Umsatz, keinen Exit, keinen Prototyp. Aber es lehrte mich, was man nur in der Praxis lernt:

